FGM/C: Schwer verletzt für ein vermeintlich „besseres“ Frauenleben?

Shownotes

Über Hintergründe, Mythen und Folgen weiblicher Genitalverstümmelung sowie Möglichkeiten, Frauen und Mädchen in Österreich zu stärken und zu schützen.

Es gibt vieles, was es zu diesem schwierigen Thema zu wissen gibt. Woher kommt die Praxis der Beschneidung von Frauen? Was sind die Begründungen? Welche Folgen hat sie und wie können Frauen und Mädchen in Österreich gestärkt und geschützt werden?

Das Frauengesundheitszentrum Salzburg ist Teil der österreichweiten FGM/C-Koordinationsstelle. Das Projekt leitet das FEM Süd (Wien) und wird vom Integrationsministerium finanziert. Marietta Hajek interviewt dieses Mal Aline Halhuber als Expertin. In der zweiteiligen Sendung wird auch über Mythen aufgeklärt, die nicht hilfreich sind.

Mehr Informationen unter: https://fgm-koordinationsstelle.at/

Foto: UU Fotographie

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00:00:03: Frauengesundheit in the air mit Aline Hallhuber und Marietta Hayek vom Frauengesundheitszentrum Salzburg.

00:00:13: Herzlich willkommen zu unserer Sendung!

00:00:16: Heute wird das Thema FGMC sein.

00:00:19: In den allermeisten Sendungen interviewt Alina Hallhüber die Expertinnen- und InterviewpartnerInnen.

00:00:25: Heute, da Alin selbst der Expertin zum Thema FGMC ist werde ich Mariette Hayek heute dazu fragen stellen.

00:00:33: Aline, bevor wir die einzelnen Detailfragen besprechen kannst du bitte kurz erklären was versteht man unter FGMC und wozu ist es dir als Geschäftsführerin des Fraungesundheitszentrum Salzburg?

00:00:47: Und als Expertin wichtig darüber zu informieren.

00:00:51: Ja ich freue mich dass sich die Gelegenheit habe über eins meiner wichtigsten Themen zu sprechen.

00:00:57: Was versteht Man unter FGMC?

00:01:01: Die Abkürzung für female genital mutulation und das C steht für cutting.

00:01:09: Es meint die weibliche Genitalverstümmelung oder Beschneidung und darunter versteht man eine Praxis, die in bestimmten Ländern durchgeführt wird.

00:01:21: Bei der bei Mädchen im Kindesalter bereits die klittere Spitze entfernt wird oder auch darüber hinaus das weiblich genital verstümmelt wird.

00:01:32: Warum ist das so ein wichtiges Thema?

00:01:35: Innerhalb der EU leben rund sixhunderttausend Frauen, die von FGMC betroffen sind.

00:01:41: In Österreich sind das elftausende Frauen und in Salzburg sind es eintausend einhundertundachtzig Frauen, wie davon betroffen ist.

00:01:51: Und wir haben in Salzburger Hundertfünfzig Mädchen, die davon bedroht sind – genau darum geht es!

00:01:59: Die Information über weibliche Genitalbeschneidung oder Verstümmelung hat zum Ziel zu verhindern, dass Mädchen dieses Leid passiert.

00:02:08: In Österreich haben wir die FGMC-Koordinationsstelle deren Hauptsitz und Hauptverwaltung das Fam Süd in Wien ist.

00:02:18: Das ist ein Projekt, das vom Integrationsministerium gefördert wird Und die FGMC-Koordinationsstelle ist einerseits eine Einrichtung, die strukturell arbeitet.

00:02:31: Das heißt wir versuchen Menschen mit davon betroffenen Menschen zu tun haben und zu vernetzen.

00:02:38: Wir bieten Austauschplattformen und es gibt bereits fünf Ambulanzen in den Bundesländern wo Frauen medizinisch in einer Spezialambulanz auch geholfen wird.

00:02:49: Wir bieten Beratung und Begleitung an für Betroffene.

00:02:53: Und auch Workshops rund um Frauengesundheit, Aufklärung für Betroffenen aber auch für Gefährdete und für Männer.

00:03:03: Bei den Schulungen geht es darum, dass wir MultiplikatorInnen erreichen.

00:03:07: Und da muss ich sagen ist Salzburg schon sehr vorbildlich!

00:03:10: Wir haben über tausend Multiplikatoren in der Stadt und Land Salzburg ausgebildet und das verstärkt die Situation, wenn betroffene Frauen in Salzburg das Gesundheitssystem oder auch in Wohngruppen in Kontakt kommen mit Mädchen und Frauen aus den betroffenen Gebieten dann ist da schon ganz viel Wissen Und dieses Wissen ermöglicht es auch den Frauen, über dieses sehr schwierige und tabuisierte Thema zu sprechen.

00:03:40: Wir bemühen uns als FGMC-Koordinationsstelle Österreich weit um Publikationen, um Handbücher, Handlungsleitfäden – und wir versuchen die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren!

00:03:54: Die Koordinationsstelle setzt sich zusammen aus den Frauengesundheitszentren Femm Süd, dem Frauengesundheits-Zentrum Linz, dem Frauengesundeitz Zentrum in Salzburg und in all den anderen Bundesländern ist das österreichische Rote Kreuz ein sehr wichtiger Partner für unsere Arbeit.

00:04:12: Und bietet in anderen Bundeslanden Beratungen und Schulungen an.

00:04:16: In welchen Ländern kommt der FCMC vor?

00:04:21: Es ist eine Praxis, die über sechstausend Jahre praktiziert wird.

00:04:25: Das heißt es ist vor jeder Religionsgründung, also vor dem Judentum, vor dem Islam, vor einem Christentum vor allen Dingen in einer bestimmten Region praktiziert wurde und das sind die Länder, die man unter Sub-Saharan Ländern bezeichnet.

00:04:41: Das heisst Ägypten, Sudan, Äthiopien Somalia, Chad Mali, Guinea, Sierra Leone und noch darüber hinaus.

00:04:50: Das sind die Länder, die von FGMC besonders betroffen sind – leider kommen neue Länder hinzu!

00:04:57: Und zwar sind das Länder, sie plötzlich entdecken dass die Beschneidung vermeintlich eine religiöse Praxis ist und keine Kulturelle mehr.

00:05:08: Da kommen neue Ländern hinzu wie zum Beispiel Indonesien wo wir jetzt schon ziemlich hohe Beschneidungsrate haben, von der wir bisher kaum was gehört haben.

00:05:20: In anderen Ländern kommt es vor aber nicht in großem Umfang und das Interessante ist dass auch Länder, von denen wir glauben sie sind uns irgendwie sehr ähnlich oder bei denen wo wir Urlaub machen wie zum Beispiel Ägypten.

00:05:35: Ägypte hat eine Beschneidarate von eighty-seven Prozent Das heißt, siebenundachtzig Prozent der Frauen den wir in diesen Ländern begegnen sind von Beschneidung betroffen.

00:05:46: Viele Menschen können das nicht fassen aber es gibt auch unterschiedliche Formen der Beschneidungen und diese unterschiedlichen Formen möchte ich kurz erläutern.

00:05:56: Wir haben die Beschneigung und diese wird in Ägypten praktiziert, die die Glitteresspitze wegschneidet.

00:06:03: Es ist so, dass das nicht einfach zu erkennen ist.

00:06:07: Weil welche GynecologInnen oder KinderärztInnen gehen auf die Suche nach der Glitteris-Spitze?

00:06:13: In diesem Fall ist Geschlechtsverkehr und auch Wasserlassen ganz normal möglich Und ich vermute, dass es sehr oft bei ägyptischen Patientinnen übersehen wird.

00:06:24: Aber auch diese Personen haben die Erfahrung einer Beschneidung.

00:06:28: Dann gibt es die sogenannte Typ II Beschneidung.

00:06:31: Das ist die teilweise oder komplette Entfernung der Glitteresspitze, der Glitteresvorhaut und der inneren Vulva-Lippen.

00:06:39: Die extremste Form, die Infibulation ist die Entfernung der Glitteresspitze und die Entfernung der Vulvalippen.

00:06:48: Und dann wird auf eine ganz kleine Öffnung zugenäht.

00:06:52: Aus dieser Öffnungen muss Haaren- und Menstruationsblut den Körper verlassen.

00:06:58: Das ist die sogenannte Typ III Infibulationbeschneidung.

00:07:03: Es gibt eine sehr klare Definition der WHO, was das jetzt eigentlich ist.

00:07:08: Die weibliche Genitalverstümmelung ist die teilweise oder totale Entfernung oder sonstige Verletzung der äußeren weiblichen Geschlechtsorganen aus nichtmedizinischen Gründen.

00:07:20: Diese Definition ist die Basis für unsere

00:07:23: Arbeit.".

00:07:24: Warum machen das die Beschneiderinnen in den Ländern?

00:07:27: Die

00:07:27: Beschneidern in den Ländern machen es auf Wunsch der Familien, der Gemeinschaft und der Frauen.

00:07:33: Die Gründe für die weibliche Genitalverstümmelung oder Beschneidung ist unterschiedlich!

00:07:40: Wir haben zum einen die sexuelle Begründung.

00:07:42: Es ist so und das glauben die Frauen selber auch, dass die Lust eine Last ist – diese Lust gehört bekämpft!

00:07:50: So gibt es die Vorstellung, dass nur wenn man von der Lust befreit ist, eine gute Mutter oder Ehefrau sein kann.

00:07:58: Ich weiß von einem Tribe in Kenia, da wird den Frau nur Mädchen erzählt dass sie so lange kinder und kindlich bleiben solange wie Sie noch unbeschnitten sind.

00:08:09: Und erst wenn sie beschnitten werden sie Frauen und zwar vollwertige Frauen in der Gemeinschaft.

00:08:16: Es ist für die Geschlechtsidentität, für die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft und auch als Zeichen der künftigen Rolle als Ehefrau und Mutter.

00:08:27: Ist die Beschneidung notwendig?

00:08:29: Und machen wir uns nichts vor es geht immer um die Kontrolle der weiblichen Sexualität und der weiblichen Lust.

00:08:36: Die Begründungen sind auch in den Religionen verankert.

00:08:41: Aber interessanterweise ist die Beschneidung älter als die Religion und es ist auch in christlichen Gemeinschaften oder dergleichen, die in dieser Region leben, auch üblich Frauen zu beschneiden.

00:08:53: Das heißt, es ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden.

00:08:57: In der Wahrnehmung ist das immer der Islam, der dafür verantwortlich ist.

00:09:02: Und was auch ein großer Irrtum ist, es wird immer geglaubt dass die Männer diese Praxis fortsetzen.

00:09:08: Dass sie diese Praxis wollen und das das ihr anliegen ist.

00:09:12: Das ist ein Irrtumm!

00:09:13: Tatsächlich ist es eine Praxis, die von Frauen, Großmüttern, Müttern, Tanten an Mädchen praktiziert wird.

00:09:21: Es ist nicht so, daß die Männer darüber viel wüssten hat sich gezeigt dass wenn Männer gut informiert und aufgeklärt werden über Beschneidung, dass sie dann total schockiert sind.

00:09:33: Und entsetzt sind was die Frauen in ihrer Familie oder ihre Ehefrauen oder auch ihren Töchtern widerfahren könnte.

00:09:41: Und oft ist es so das Sie dann eigentlich Partner sind im Kampf gegen FGMC.

00:09:46: Sie wollen nämlich nicht, dass Ihre Töchter verstimmelt werden Wenn Sie die Konsequenzen kennen.

00:09:51: Es gibt auch eine ökonomische Begründung.

00:09:54: Die sogenannten Beschneiderinnen sind Frauen, die durch das Land reisen und bei verschiedenen Gelegenheiten dann die Beschneidung durchführen.

00:10:03: Und für diese Frauen ist es eine ganz wichtige Einkommensquelle.

00:10:08: In manchen Regionen erhöht eine Beschneigung dem Brautpreis.

00:10:13: Es gibt eine vermeintliche medizinische BeGründung, die falsch ist – so glaubt Man in den Regionen, dass es die Fruchtbarkeit steigert oder den Schutz der Gebärmutter darstellt.

00:10:26: Wir wissen sehr genau das die Früchtbarkeit damit riskiert wird.

00:10:30: also beschnittene Frauen können so viele Infekte untergleichen haben, dass die Frustbarkeit gefährdet ist und tatsächlich würde es auch der Gebäermutter besser gehen wenn es

00:10:40: zum Beispiel

00:10:41: einen normalen Abfluss des Menstruationsblutes gäbe.

00:10:45: Es gibt auch eine Vorstellung von Reinheit, die ist einerseits religiös und andererseits aber eine ästhetisch-hygienisch vermeintliche Reinheit.

00:10:57: Die Vorstellung ist, dass man Unschönheiten damit entfernt und dadurch die Sauberkeit und Reinhaltung ermöglicht.

00:11:05: All diese Begründungen sind zutiefst frauenfeindlich!

00:11:09: Ich würde gerne noch etwas ergänzen.

00:11:12: Frauen, die in diesen Regionen aufgewachsen sind glauben, die Lebenschancen ihrer Töchter zu verbessern.

00:11:18: Das heißt sie glauben mit der Beschneidung ermöglichen Sie Ihrer Tochter!

00:11:23: Erstens, dass sie geheiratet werden.

00:11:25: Zweitens, das sie durch diese Familie ernährt werden und wenn dazu die Beschneidung eine Vorrassetzung ist dann kann es schon sehr plausibel sein Und deswegen möchte ich auch deutlich machen, dass Frauen, die darüber nachdenken ihre Töchter beschneiden zu lassen Die sind nicht per se schlechte Mütter weil sie glauben das Beste für ihre Tüchter zu tun.

00:11:47: Ich würde gerne ein anderes Beispiel verwenden.

00:11:58: Und mal angenommen die Wissenschaft käme zu der Erkenntnis, dass das gefährlich für das Gehirn meiner Tochter sei.

00:12:08: Dass meine Tochter ja nicht durch verschiedene Sprachen durcheinander gebracht werden soll und es gäbe dann ein Gesetz, das es verbietet würde ich wahrscheinlich tatsächlich meiner Tochte heimlich Englisch beibringen.

00:12:20: warum?

00:12:20: weil ich zutiefst überzeugt davon bin, dass ist ihre Lebenschancen verbessert.

00:12:25: Und ähnlich müssen wir uns die Situation von Müttern vorstellen, die für ihre Töchter das Beste wollen.

00:12:32: Obwohl es natürlich etwas sehr Schlimmes Schreckliches ist für Ihre Töchter.

00:12:36: aber sie glauben ihre Lebenschancen damit zu erhöhen weil tatsächlich in den Regionen werden unbeschnittene Mädchen nicht geheiratet und Sie können sich nicht selbst ernähren weil es kein eigenständiges Erwerbsleben gibt für die Frauen und Mädchen.

00:12:51: Das heißt, die Mütter, die kommen und das Glauben tun zu müssen sind überzeugt davon dass das die richtige Wahl ist.

00:12:58: Diese Frauen sind auch nicht nur Opfer weil sie ja selber von Beschneidung betroffen sind sondern diese Frauen sind extrem starke Frauen Die eine Beschnei- dung.

00:13:08: darüber hören wir dann noch was da passiert.

00:13:11: Sie haben eine Beschnei Dung überlebt Und wenn Sie hier bei uns sind, haben sie tatsächlich auch die Flucht nach Österreich oder Deutschland überlebt.

00:13:20: Das ist ein sehr risikoreiches Unterfangen für Frauen und deswegen möchte ich auch das wir die Frauen nicht generell als beschnittene Frauen bezeichnen sondern als Frauen, die von Beschneidung betroffen sind.

00:13:34: Sie sind viel mehr als nur ihr Beschnittenes Genital!

00:13:38: Ich möchte noch mal kurz darauf zurückkommen, warum wir überhaupt den Begriff Beschneidung verwenden.

00:13:43: In der Zusammenarbeit mit Frauen aus den jeweiligen Communities haben die Frauen sehr deutlich gesagt sie möchten nicht als verstimmelt bezeichnet werden und weil wir versuchen den Frauen auf Augenhöhe zu begegnen und sie dafür zu gewinnen PartnerInnen mit uns zu werden für die Gesundheit ihrer Töchter haben wir beschlossen uns diese Begrifflichkeit zur Eigenzumachen.

00:14:06: Wir wollen damit nicht verharmlosen, aber wir wollen anschlussfähig sein für die Communities.

00:14:20: Wer beschneidet in den unterschiedlichen Regionen?

00:14:24: Das sind oft Frauen, die sehr angesehen sind.

00:14:28: Die das beruflich machen, die durch die Dörfer reisen und zu Beschneidungsfesten eben eingeladen werden.

00:14:36: Und es ist so dass das ein Berufsbild ist wofür die Frauen auch bezahlt werden.

00:14:42: also das wird oft auch so traditionell dann an die Tochter weitergegeben.

00:14:47: Zunehmend mehr glaubt man in den Ländern es sei weniger brutal oder sicherer, wenn man das medizinisches Personal sprich Ärzte oder Hebammen der Ärztinnen machen lässt.

00:15:01: Das Problem bei dieser Medikalisierung von FGMC ist vordergründig ja nicht so schlimm als unter einer Kurse passiert.

00:15:10: also man versucht das Trauma der Mädchen zu relativieren.

00:15:14: Tatsächlich ist und bleibt es eine schwere Körperverletzung, die unter gar keinen Umständen nur im Ansatz toleriert werden darf.

00:15:23: Und deswegen ist es nicht besser wenn es unter voller Kose passiert – weil die Folgen, die die Mädchen und Frauen davon tragen, ist ein Leben lang andauernd!

00:15:34: Deswegen ist es nicht in Ordnung, da die Haltung zu vertreten.

00:15:39: Ja besser!

00:15:39: Die Ärzte machen sie dann medizinisch besser.

00:15:42: Das ist keine Haltung der wir uns anschließen Sagen.

00:15:45: wir sagen, es ist und bleibt eine gravierende Körperverletzung.

00:15:48: Frauenrechte Verletzungen und das ist eine Menschenrechtsverletzung.

00:15:52: Welche Männer würden sich die Eichel abschneiden lassen aus religiösen Gründen?

00:15:58: Das möchte ich mal sehen weil das ist das Äquivalent nicht die Vorhautbeschneidung.

00:16:02: Das ist nicht das Equivalent zur weiblichen Genitalverstümmelung.

00:16:07: Was passiert bei der traditionellen Beschneidungen.

00:16:10: Es ist ein angekündigtes Fest bei denen die Mädchen nicht wissen, was passiert.

00:16:15: Es ist extrem tabuisiert!

00:16:17: Die Mädchen möchten endlich dazugehören und sie sehnen diesen Zustand des Dazugehirns oder Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

00:16:26: den sehen Sie herbei weil sie nicht wissen etwas passiert.

00:16:30: es ist ein Riesentabu.

00:16:32: die Mädchen wissen nicht dass ihnen körperlich schwere Gewalt angetan wird aber es wird Ihnen gesagt das sie dann rein sind?

00:16:39: Dass sie dann ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sind.

00:16:43: Überhaupt ist die Beschneidung ein totales Tabu, worüber auch die Frauen untereinander nicht sprechen.

00:16:49: Weil sonst würden die Mädchen sich vielleicht nicht darauf freuen.

00:16:52: Oft wird es in Zusammenhang gesetzt mit einem großen Fest das den Mädchen zu Ehren passiert.

00:16:57: und dann kommt die Realität.

00:16:59: Die Beschneidungen finden unter unhygienischen Bedingungen statt.

00:17:03: Es gibt keine Desinfektion, die Beschneidungsinstrumente sind gänzlich uneignet.

00:17:08: Glasscherben, Deckel von Konserven, Scheren, Rasierklingen und sie werden auch ohne Desinfektionen immer wieder bei Mädchen verwendet.

00:17:17: Das Mädchen wird dabei festgehalten.

00:17:20: als medizinische Versorgung werden Breie, Kräuter, Milcheiherasche oder Dunken verwendete.

00:17:28: Schluss daran werden die Beine einundzwanzig bis vierzig Tage zusammengebunden.

00:17:34: Warum müssen die Mädchen dann stillhalten?

00:17:36: Es muss ja irgendwie heilen und durch Stuhlgang oder auch Harn lassen, würde der Schorf entfernt werden.

00:17:43: Das heißt diese Mädchen bekommen in der Zeit nach der Beschneidung kaum zu essen und zu trinken damit es irgendwann heilt!

00:17:51: Wir brauchen uns nichts vorzumachen, dass dieses Erlebnis ein Menschenleben sehr, sehr prägen und traumatisieren kann.

00:18:00: Wir haben jetzt von den anderen Ländern gesprochen – wie ist denn das in Österreich?

00:18:04: Hat es da schon mal Beschneidungen gegeben?

00:18:07: Ja!

00:18:08: Es hat tatsächlich früher in der Psychiatrie zur Behandlung Frauen, Beschneidungen, Glitteres, Spitzenentfernungen gegeben.

00:18:17: Damit meinte man die Hysterie zu behandeln!

00:18:20: Damit meinten man Frauen, die viel sexuelle Lust hatten damit unter Kontrolle zu bringen.

00:18:28: Ich möchte sagen eine selbstbestimmte Sexualität von Frauen auch

00:18:33: unterdrückt.".

00:18:34: Gott sei Dank wird es nicht mehr praktiziert.

00:18:37: Das war bis zum Jahr zwanzig, unter anderem auch in amerikanischen und österreichischen Praxen der Falle.

00:18:45: Wenn die weibliche Lust etwas so bedrohliches ist, dass man sie unterdrücken muss, dann ist natürlich die genitale Beschneidung ein Lösungsmittel.

00:18:56: Kannst du das ich akzeptiere oder heute jemand akzeptieren würde?

00:19:00: Aber wenn wir mal zurückschauen, wie die weibliche Lust in der Gesellschaft welchem's ansehen oder sagen wir mal welche Verachtung sie da hatte.

00:19:10: Dann müssen wir feststellen das ist durchaus auch andere Strategien, die nicht so drastisch sind wie ein schneidendes Messer existieren und existiert haben um die weibliche Lust zu unterdrücken.

00:19:23: Wir hatten gute Zeiten.

00:19:25: früher war nämlich in allen Religionen War es eine Vorschrift dass die Frauen beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus haben müssen.

00:19:33: Man glaubte, dass wenn die weiblichen Säfte und die männlichen Sänfte zusammenkommen und ins Fließen kommen, dann würde ein Baby

00:19:41: entstehen.".

00:19:42: Das waren gute Zeiten für uns Frauen – das war sowohl im Christentum, im Judentum aber auch im Islam eine religiöse Vorschrift!

00:19:50: Dann kam die Feststellung, ich möchte mir nicht vorstellen wie das auch vergewaltigte Frauen schwanger werden.

00:19:57: Das heißt dass Frauen auch ohne Orgasmus geschwängert wurden und das hat gravierend etwas geändert.

00:20:04: damit war dann nämlich die weibliche Lust etwas gefährliches und bedrohliches Und ab dem Zeitpunkt finden wir eine sehr große Lustfeindlichkeit.

00:20:15: was die Weibliche lust angeht Ich möchte gerne ein paar Schritte zurück.

00:20:19: Solange man die Frauen und ihre Lust unter Kontrolle hatten oder hatte, war man sich sicher dass die Frauen nur Kinder von ihrem Mann bekommt und nicht von irgendeinem anderen Mann.

00:20:31: Wenn also Frauen Lust hatten dann hatten sie womöglich auch Lust auf andere Männer Und das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass nicht alle Kinder, die sie bekommen tatsächlich von ihrem Ehemann sind.

00:20:42: Jetzt lernen wir alle sehr früh in der Schule, dass das biologische Sendungsbewusstsein für Männer ist, dass sie mit möglichst vielen unterschiedlichen Frauen viele Kinder bekommen.

00:20:55: Das läuft dann so als der männliche Trieb unter dieser Entschuldigung oder Begründung Und sehr viele kulturelle Techniken haben dann versucht, dieses Bedürfnis unter Kontrolle zu kriegen.

00:21:06: Wenn wir an Darwin denken und an die Fortpflanzungstheorie und Vererbung, dann wird deutlich das es auch für Frauen durchaus sinnvoll wäre von vielen unterschiedlichen Männern Kinder mit jeweils anderer genetischer Zutat zu bekommen.

00:21:23: Also auch die Frauen, die ja sehr viel weniger Kinder bekommen können als Männer, wenn auch die Frau mehrere Väter in ihrem genetischen ihrer Nachkommenschaft hat, dann ist auch das für ihre genetische Ausstattung ihrer Nachkommen besser.

00:21:41: So kann es sein dass einer besonders gut wenn wir jetzt in der Geschichte zurückgehen und in die Steinzeit dann ist einer vielleicht gut im Laufen, der andere gut im Jagen, der Dritte sieht gut aus, auch das brauchen wir, der vierte ist vielleicht sehr musikalisch und kann auf einer Knochenflöte spielen.

00:21:59: Das heißt wenn eine Frau die besten Bedingungen haben will, dann ist es sinnvoll sich unterschiedliche Väter zu suchen.

00:22:08: Das geht natürlich gar nicht!

00:22:09: Genauso wie das Patriarchat vererbt vom Vater auf den Sohn, vererb die Mutter von der Mutter auf die Tochter.

00:22:17: Übrigens diese ganzen Vererbungsgeschichten haben sich neuerdings gezeigt dass die Vererbung tatsächlich die weiblichen Mettechonrien sind, die von Mutter auf Tochter vererbt werden und sehr viel weniger genetische Vererbung in der männlichen Linie bis gar keine ist.

00:22:34: Also nur am Rande.

00:22:35: aber die neuest Wissenschaft, die Mettechanrien, werden weiblich

00:22:39: verermt.".

00:22:39: über die Frauen und über die Mütter.

00:22:41: Aber es wäre ja viel einfacher, wenn man sagt nachdem die Mutter ja immer sicher ist wir vererben von der Mutter auf die Tochter oder meinetwegen auch auf den Sohn.

00:22:49: aber dann wäre die Diskussion wer als der Vater obsolet?

00:22:54: Im Patriarchat geht das aber nicht weil da ist es notwendig dass vom Mann auf dem Sohn vererbt wird.

00:23:01: und da das ja nicht immer garantiert werden kann sind die Bemühungen so groß die weibliche Lust unter Kontrolle zu bekommen.

00:23:09: Die Beschneidung ist eine sehr drastische Methode, aber auch andere Sachen wie zum Beispiel.

00:23:14: Eine gute Frau hat nur Geschlechtsverkehr mit ihrem Ehemann oder ein gutes Mädchen hat kein Sex vor der Ehe oder ein gutes Mädchen hatte keine wechselnden geschlechtspartner.

00:23:26: Ein gutes Mädch bleibt ein Leben lang im Bett nur mit einem einzigen Mann und dafür gibt es dann auch sehr viel drastischere Bezeichnungen wie Schlampen, Flittchen und dergleichen.

00:23:39: Also wir haben in allen Religionen die Vorschrift, dass die Frauen auf jeden Fall nur mit einem einzigen Mann nämlich den Vater ihrer Kinder schlafen dürfen.

00:23:48: Geschlechtsverkehr haben dürfen.

00:23:50: Tatsächlich ist es aber so das rund acht bis zehn Prozent aller Kinder sogenannte Kuckucks-Kinder sind.

00:23:57: Die Biologie ist nämlich ein Hund.

00:23:59: sie setzt sich durch ohne uns zu fragen und auch ohne irgendwelche Regeln.

00:24:05: Interessanterweise hat man festgestellt also dass rund acht Prozent der Kinder nicht vom vermeintlichen Vater sind, sondern andere Väter haben.

00:24:14: Und man hat festgestellt, dass Frauen während der Eisprungphase von anderen Männertypen sich angezogen fühlen als zum Beispiel in der Phase vorher oder nachher.

00:24:25: Das sorgt dafür, dass gerade rund um den Eissprung das Bedürfnis fremdzugehen deutlich höher ist als zu anderen Phasen des Zyklus.

00:24:34: Das heißt die Natur bahnt sich da ihren Weg.

00:24:38: Das ist ja wirklich interessant, dass das für uns früher auch gegeben hat und Gott sei Dank ist er doch, hat Veränderung schon stattgefunden und die Schneidung ist in Österreich verboten.

00:24:49: Ja genau wie das rechtlich ist werden wir dann in der Folge Sendung das nächste Mal besprechen.

00:24:55: Möchtest du noch irgendwas dazu sagen?

00:24:58: Wichtig für mich ist, dass möglichst viele Menschen über FGMC Bescheid wissen damit wir die Mädchen gut schützen können.

00:25:06: Und am besten schützen kann man sie wenn wir die Mütter und auch Veta gewinnen können von dieser wirklich schrecklichen Praxis Abstand zu nehmen und ihre Töchter zu schützen.

00:25:17: Danke Aline fürs Gespräch.

00:25:19: weitere Informationen hören wir dann in der nächsten Sendung.

00:25:23: danke fürs Zuhören und bis zum nächsten

00:25:25: Mal.

00:25:29: Das war die Sendung Frauengesundheit in Vier mit Alina Hallhuber und Marietta Hayek vom Frauengesundheitszentrum Salzburg.

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